Im aktuellen Jahresbericht (Link zum PDF) der Stiftung Salome Brunner durfte ich als Sozialpädagoge im Teilzeitinternat Wabern ein persönliches Statement zu den Werten meiner Arbeit abgeben. Das hat mich besonders gefreut, weil der Bericht nicht nur Zahlen und Entwicklungen zeigt, sondern vor allem sichtbar macht, was im Alltag einer sozialen und pädagogischen Institution wirklich zählt: Menschen.
Die Stiftung begleitet heute rund 300 Kinder und Jugendliche mit Sprach- und Lernbeeinträchtigungen an verschiedenen Standorten im Kanton Bern. Im Internat in Wabern leben und wohnen 16 Kinder und Jugendliche im Teilzeit- oder Wocheninternat. Gerade dort entstehen viele intensive Begegnungen – oft geprägt von Vertrauen, Struktur, Emotionen und persönlicher Entwicklung.
Mein Zitat im Jahresbericht lautet:
«Für meine Arbeit im Internat sind Respekt und Wertschätzung zentral. Die Kinder spüren, dass sie mir wichtig sind, auch wenn ich einmal streng bin. Auch die Anliegen der Eltern nehme ich ernst. Schon mehrmals habe ich Müttern und Vätern beispielsweise aufzeigen können, dass auch Überforderung ein menschliches Gefühl ist, wofür man sich nicht schämen muss.»

Der Jahresbericht 2025 steht unter dem Gedanken, Werte im Alltag sichtbar zu machen. Begriffe wie Respekt, Sicherheit, Zusammenarbeit, Integration und Wertschätzung ziehen sich durch den gesamten Bericht. Besonders spannend fand ich beim Lesen, wie unterschiedlich Mitarbeitende aus verschiedensten Bereichen diese Werte leben – von der Küche über die ICT bis hin zur Therapie oder Sozialpädagogik.
Viele Aussagen im Bericht zeigen etwas, das ich aus meinem Alltag sehr gut kenne: Kinder brauchen sichere Räume, in denen sie ernst genommen werden. Die Gesamtleiterin Therese Zbinden beschreibt im Interview, dass Wertschätzung weit über Freundlichkeit hinausgeht. Es gehe darum, Kinder in ihrer kulturellen und familiären Vielfalt wahr- und ernstzunehmen und Eltern auf Augenhöhe zu begegnen. Genau das erlebe ich auch im Internat.
Soziale Arbeit bedeutet für mich nicht nur Betreuung. Es bedeutet Beziehung. Zuhören. Grenzen setzen. Sicherheit vermitteln. Manchmal auch schwierige Gespräche führen. Viele Kinder tragen bereits einen «Rucksack» mit sich, wie es im Bericht beschrieben wird. Die Stiftung möchte ihnen einen geschützten Ort bieten, an dem sie Selbstvertrauen entwickeln und ihren Platz in der Gesellschaft finden können.
Besonders wichtig ist mir dabei auch die Zusammenarbeit mit Eltern. Familien stehen oft unter grossem Druck – organisatorisch, emotional und gesellschaftlich. Ich finde es wichtig, offen darüber zu sprechen, dass Überforderung menschlich ist. Niemand muss perfekt funktionieren. Oft entsteht echte Zusammenarbeit erst dann, wenn Menschen sich verstanden fühlen statt bewertet.

Der Bericht zeigt ausserdem, dass sich die Stiftung aktiv weiterentwickelt. 2025 wurde ein neues pädagogisches Entwicklungsprogramm gestartet, das die Haltung und die Zukunftsausrichtung der Stiftung stärken soll. Gleichzeitig plant die Stiftung, 2026 ein neues Leitbild einzuführen. Dass Werte dabei so stark im Mittelpunkt stehen, finde ich persönlich sehr wichtig.
Ich bin dankbar, Teil dieser Institution zu sein – und Teil eines Teams, das täglich versucht, Kindern nicht nur Struktur und Förderung, sondern auch Menschlichkeit, Sicherheit und Vertrauen mitzugeben.
Denn manchmal beginnt Entwicklung genau dort, wo jemand spürt:
Du bist wichtig.

